Warum ohne das remote Interview auch in Zukunft nichts mehr geht, und was Du beachten solltest

Kategorie: Recruiting
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In diesem Artikel erfährst Du, warum Du auch nach den Kontaktbeschränkungen des Corona-Lockdowns Online-Interviews für Dich nutzen solltest.

Es ist keine Überraschung, dass der Corona-Lockdown einen großen Einfluss auf das zukünftige Arbeiten – und speziell auch auf das Recruiting – hat. Der Digitalisierungsgrad ist von jetzt auf gleich explodiert und das E-Recruiting auf dem Vormarsch. Zum E-Recruiting gehört neben einem ausgereiften Prozess auch das Online-Interview bzw. das Video-Interview bzw. Remote-Interview.
Ich zeige Dir, welche Vorteile Remote-Interviews in der Startphase des Recruitings haben.

 

5 Vorteile von Online-Interviews für Dich und das Unternehmen

1. Der Bewerberpool vergrößert sich!

Der Bewerberpool wird sehr viel größer, und theoretisch kann für standortunabhängige Jobs auf der ganzen Welt rekrutiert werden.

2. Schnellere und unkomplizierte Organisation!

Von Kandidaten, die nach Durchsicht nicht gleich zu den Favoriten gehören, kann man trotzdem schnell und einfach einen Eindruck gewinnen, weil Online-Interviews unkompliziert und einfach zu organisieren sind. Und manchmal finden sich unter diesen Kandidaten dann genau die Richtigen für das Unternehmen.

3. Keine Reisekosten für Kandidaten und eigene Mitarbeiter!

In der Regel übernimmt das suchende Unternehmen die Fahrt- und Reisekosten für den Kandidaten. Bei internationalen Ausschreibungen können diese Kosten durch Flug- und Übernachtung beträchtliche Ausmaße annehmen. Und richtig teuer wird es, wenn mehrere Kandidaten zu (Erst-) Gesprächen eingeladen werden.
Auch die Kosten für die Anreise der eigenen Mitarbeiter (Recruiter, Fachbereich, Hiring Manager) zum Interview (beispielsweise am Unternehmensstammsitz) entfallen. Durch den Wegfall dieser Kosten entfällt auch der administrative Aufwand, der selten mit bedacht und unterschätzt wird. Kandidaten und Mitarbeiter müssen Reisekostenabrechnungen erstellen, diese müssen in die Buchhaltung, die wiederum Formulare und Belege kontrollieren und die Zahlung veranlassen muss.

4. Keine Buchung von Besprechungsräumen!

Auch wenn es sich wie eine Kleinigkeit anhört, aber in einem Unternehmen mit wenig Besprechungsräumen kann es herausfordernd sein, einen Termin zu finden, an dem Hiring Manager, Recruiter und Kandidat Zeit haben und gleichzeitig das (einzige) Besprechungszimmer verfügbar ist.

5. Mehr Bewerber in kürzerer Zeit interviewen!

Das Online-Interview eignet sich besonders in der Startphase des Recruitings, also für das Erstinterview. In beispielsweise 45 Minuten können sich alle Beteiligten einen ersten Eindruck verschaffen und dringende Fragen klären. Aufgrund der Kürze und der einfachen und schnellen Organisation des Online-Interviews können mehr Kandidaten interviewt werden.

3 Vorteile von Online-Interviews für den Bewerber / Kandidaten

1. Das kann ich mir ja mal anhören!

Bewerber sind viel offener für ein Online-Interview. Vor allem Kandidaten, die aktuell nicht dringend suchen, aber die angebotene Position interessant finden, lassen sich schneller auf einen Remote-Bewerbungsprozess bzw. auf Online-Interview ein als auf einen traditionellen Bewerbungsprozess. Wenn noch die Anreise geplant und eventuell sogar Urlaub genommen werden muss, dann ist die Hemmschwelle, sich einfach mal vorzustellen, definitiv höher.

2. Flexible Terminvereinbarung!

Die Termine für ein Online-Interview lassen sich einfacher in den Tagesablauf des Bewerbers integrieren. 45 oder 60 Minuten – auch mal in der Mittagspause – sind problemlos einzuplanen.

3. Relaxed! Entspanntes Bewerbungsgespräch!

Die Bewerber sind entspannter, weil die Gespräche in einer vertrauten Umgebung stattfinden.

12 Tipps, die Du beachten solltest, damit Dein Remote-Interview erfolgreich wird

1. Welches Video-Tool?

Teile bei der Terminbestätigung dem Kandidaten nicht nur mit, wann das Interview stattfindet und mit wem, sondern auch welches Video-Tool genutzt wird. Dadurch hat der Kandidat die Gelegenheit, alle technischen Anforderungen vorab auszuprobieren.

2. Sicherer Umgang mit Technik!

Die IT-Lösung, die Dein Unternehmens nutzt, sollte technisch ausgereift und stabil sein. Dass Du Dich mit dem Video-Meeting-Tool auskennen solltest, muss eigentlich nicht erwähnt werden. In einem Online-Interview repräsentierst Du Dein Unternehmen genauso wie im persönlichen Bewerbungsgespräch. Ich gehe hier nicht auf die Kameraausrichtung, den Hintergrund, Frisur und Kleidung sowie auf die störungsfreie Umgebung usw. ein. Du bist da Profi genug.

3. Keine kreativen Profilnamen!

Was mir in diesem Zusammenhang immer wieder auffällt, ist der Profilname. Achte auf Deinen eigenen und auch auf den des Hiring Managers. Es ist wenig professionell, wenn der Profilname des Hiring Managers: „Smartphone von Klausi“ ist. Als Host kannst Du – zumindest in Zoom – die Namen der Teilnehmer umbenennen. Ich mache das von Zeit zu Zeit; z.B. auch wenn der Profilname des Kandidaten nicht eindeutig ist.

4. Jeder fängt mal an!

Sprich‘ offen mit den Führungskräften / Hiring Manager, die noch keine Erfahrung mit (Online-) Interviews haben, über den Ablauf des Gesprächs und über mögliche Fragen sowie über Fragen, die nicht gestellt werden dürfen (Stichwort: AGG) usw.

5. Gut vorbereitet ins Gespräch!

Du solltest genau wie im persönlichen Interview gut vorbereitet sein. Zum einen auf den Kandidaten und zum anderen auf die Anforderungen der zu besetzenden Position. Ich persönlich lege viel Wert auf eine positive candidate journey.

6. Behalte die Zeit im Auge!

Gerade wenn Du mehrere Gespräche hintereinander hast, ggf. mit den oben angesprochenen 45 Minuten, solltest Du besonders die Zeit im Auge behalten, so dass ein ruhiges Ende des Gesprächs ohne Hektik möglich ist. Plane auch Pausen ein.

7. Arbeitest Du noch oder …!

Achte gerade in Online-Interviews darauf, die Unternehmenswerte und die Unternehmenskultur bestmöglich zu transportieren. Beim Online-Interview kann sich der Kandidat eben nicht – wie beim persönlichen Interview – ein Bild von der Unternehmenskultur beim Empfang, beim Warten oder auf dem Weg ins Besprechungsbüro machen.

8. Haltung bewahren!

Deine Haltung gegenüber dem Kandidaten sollte im Offline- wie im Online-Interview stets offen und wertschätzend sein. Ich habe mal den Tipp gehört, man sollte jedes Interview so führen, als würde man seinen zukünftigen Vorgesetzten interviewen. Ein interessanter Gedanke!

9. Höre nicht nur auf Dein Bauchgefühl!

Führe kompetenzbasierte und teilstrukturierte Online-Interviews! So kannst Du objektiv die fachlichen Fähigkeiten, Kompetenzen sowie die Persönlichkeit des Kandidaten beurteilen. Ich schreibe mir die Antworten des Kandidaten immer handschriftlich mit, da ich Tippgeräusche während des Interviews als störend empfinde.

10. Beurteilungsfehler vermeiden!

Als HR-Profi weißt Du, welche Beurteilungsfehler Du machen kannst. Achte darauf, dass Risiko von Fehlbeurteilungen zu minimieren, indem Du Dir die verschiedenen Fehlerquellen bewusst machen.

11. Können Sie mich hören?

Auch wenn es Dir leichtfällt, und Du geübt mit den Video- Tools bist, der Kandidat ist es vielleicht nicht. Sei daher geduldig, wenn es technische Start-Schwierigkeiten gibt. Ein Interview kann grundsätzlich schon aufregend sein, und wenn dann die Technik nicht klappt, sind die meisten Bewerber spätestens dann richtig nervös. Sorge auf charmante Art und Weise für einen angenehmen Start, auch wenn es technisch ruckelt.

12. What‘s next?

Vergiss‘ nicht, transparent Auskunft darüber zu geben, wie es weitergeht und wann eine Rückmeldung durch Dich erfolgen wird.

 

Fazit

Da wir aktuell einen Arbeitnehmermarkt haben, können es sich die Unternehmen nicht mehr leisten, an einem langwierigen Recruiting-Prozess festzuhalten. Die Kandidaten werden nicht mehr die Geduld haben, 4 Wochen auf eine Nachricht vom Unternehmen zu warten. In diesem War-for-Talents wird das Unternehmen gewinnen, welches einen zügigen (Online-) Recruiting-Prozess etabliert hat. Das Online-Interview kann hierzu ein erster Schritt sein. Auch für kleinere Unternehmen, für die es (noch) nicht wirtschaftlich ist, digitale und automatisierte Bewerbungsprozesse mit entsprechender (kostenintensiver) Software einzuführen, ist das Online- Interview ein erster Schritt ins E-Recruiting.

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Über die Autorin

Interim Personalmanagerin, HR Mentorin - Yvonne Frohwerk

Yvonne Frohwerk – Interim HR Managerin | Coach | Mentorin